Sechs gute Gründe für eine barrierefreie Webseite

1. Barrierefreiheit lohnt sich

Barrierefreie Webseiten können von allen Menschen bedient werden. Also auch von Menschen, die mit den Seiten Ihrer Konkurrenten Probleme haben. In Deutschland haben mehr als ein Zehntel der Bewohner eine anerkannte Behinderung, eine weitaus größere Anzahl von Menschen hat Schwierigkeiten beim Nutzen von Webseiten aufgrund weniger ausgeprägter Einschränkungen. Eine große Gruppe!

Und immer, wenn es viele betrifft, gibt es auch einen Markt. Über die ökonomischen Aspekte barrierefreier Websites habe ich schon häufiger reden dürfen, zuletzt anlässlich der TYPO3 certiFUNcation 2018 im Phantasialand. Eine Zusammenfassung des englischsprachigen Vortrages finden Sie unter „economic aspects of accessible websites„.

2. Barrierefreiheit macht Spaß und ist effizient

Gerade Enwtickler sind es gewöhnt, mit der Tastatur mehr zu machen, als nur Texte einzugeben. Tastaturkürzel sind oft schneller aktiviert, als die Hand zur Maus greifen kann.

Ein Aspekt von Barrierefreiheit ist die Unabhängigkeit von verwendeten Geräten. Es ist also egal, ob eine Website mit der Maus, mit der Tastatur, per Touch-Geste oder Spracheingabe bedient wird. Dasselbe gilt für die Ausgabe. Webseiten sollen unter anderem vorlesbar sein. – Zum Beispiel beim Frühstück, beim Zähneputzen oder während einer Autofahrt.

Videos sollen auch ohne Ton verständlich sein (wer kennt nicht die vielen Videos, die wie Memes gestaltet sind und bei der alles, was ein Sprecher sagt, in großen Texten am unteren Rand zu lesen ist), so dass man diese auch in lauten Umgebungen ansehen kann oder dort, wo Ton stören würde (im ÖPNV, in Bibliotheken oder an anderen stillen Orten).

Stellen Sie sich Webseiten vor, auf denen Sie mit der Tastatur ein Video starten können, neben dem alles Gesprochene als Text erscheint – ein Text, den Sie an beliebiger Stelle anklicken können, um direkt die entsprechende Stelle im Video anzuspringen. Klingt toll? Ist es auch. Das beste daran: das gibt es fix und fertig und kostenlos – Sie haben sicher genug Fantasie, sich dieses Stück Software in Ihrem Corporate Design vorzustellen?

3. Barrierefreie Webseiten sind bessere Webseiten

Welche Ansprüche stellen Sie an sich? – Sind Sie mit der erstbesten Lösung zufrieden? – Sicher nicht!

Vermutlich haben Sie die Erfahrung gemacht, dass gut gemachte Webseiten robust sind, sich auszahlen und für zufriednere Kunden sorgen.

Daher investieren Sie Zeit und Geld in die Optimierung von Arbeitsabläufen, die Auffindbarkeit in Suchmaschinen oder ein nutzerfreundliches, responsives Layout. Webseiten dann auch für alle nutzbar zu machen, ist der logische nächste Schritt.

Barrierefreiheit ist also ein Qualitätsmerkmal. Zudem ergeben sich Synergien in den Bereichen Responsives Design, Usability, Performanz und SEO.

4. Zeigen Sie soziales Verantwortungsbewusstsein

Menschen mit Behinderungen stehen im Alltag meist vor größeren Herausforderungen, als die meisten anderen. Nicht nur wenn man blind ist oder einen Rollstuhl benutzt können Wege beschwerlich und gefährlich werden. Gerade deshalb sollte es für Menschen mit Behinderungen wie für jeden anderen möglich sein, Dinge online zu erledigen. Seien das Bankgeschäft, Einkäufe, Anträge bei Behörden oder schlicht das Einholen von Informationen für berufliche oder private Zwecke.

Natürlich darf man es als Firma sagen, wenn man die Bedürfnisse aller Menschen berücksichtig und so sein soziales Image pflegen!

5. Der zusätzliche Aufwand ist geringer als Sie glauben

Vor der Umsetzung kommt natürlich das Lernen. Bevor Sie eine Webseite ohne Barrieren erstellen können, müssen Sie wissen wie es geht. Das ist genauso wie mit SEO, einem Framework oder CMS, das Sie einsetzen möchten.

Wenn Sie wissen, worauf Sie achten müssen, ist der Aufwand aber nicht besonders groß. Sie werden sehen, dass man viele Dinge einfach nur anders machen muss, nicht aufwändiger.

Bei der Auswahl von Komponenten wie Navigationen oder Playern für Audio und Video setzen Sie einfach andere ein als bisher.

Was dann noch an Mehraufwand bleibt, zahlt sich sicherlich aus!

6. Gesetzliche Vorgaben

Vielleicht haben Sie es schon gehört: In vielen Ländern ist Barrierefreiheit in bestimmten Zusammenhängen vorgeschrieben. In Deutschland beispielsweise müssen Webseiten von Behörden im Geltungsbereich der BITV (Barrierfreie Informationstechnik-Verordnung) für alle zugänglich sein. In Österreich gilt das sogar für jede Webseite, die im B2B-Bereich, also von einer Agentur für eine Firma erstellt wurde.

Hintergrund sind nationale Gestze oder europäische Vorgaben. So gibt es mit der European Disability Strategy 2010 – 2020 ein Vorhaben der EU, die Ressourcen zu heben, die brach liegen, weil Menschen mit Behinderungen nicht überall gleichberechtigt am gesselschftlichen Leben und vor allem am Arbeitsleben teilhaben können.

Sie sehen also, Webseiten inklusiv zu gestalten, ist ein Wirtschaftsfaktor, der von der Europäischen Union als so bedeutend angesehen wird, dass diesem nun verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet wird. Wenn sich die erhofften Verbesserungen bis 2020 nicht einstellen, sind Zwangsmaßnahmen in Form von Verordnungen wie der DSGVO möglich.

Wenn Sie dann erst umstellen, ist der Drops gelutscht, wie man so sagt. Dann haben Sie keinen Wettbewerbsvorteil, sondern müssen sich mit Ihren Konkurrenten um die wenigen Entwickler streiten, die Webseiten ohne Barrieren entwickeln können.

Bieten Sie heute schon Webseiten ohne Barrieren an, sichern Sie sich Ihren Teil von diesem Markt. Zufriedene Kunden bleiben bei Ihnen – auch wenn andere ebenfalls barrierefrei werden!

Blog

HTML Survival-Training (nach dem aktuellsten Standard)

HTML ist die Grundlage jeder Webseite. Oft bestehen moderne Webseiten aus unzähligen unnötigen und nichtssagenden Elementen. Das schadet der Barrierefreiheit, der Performanz und der Wartbarkeit einer Website. Händisch sind solche Ungetüme meist gar nicht mehr zu pflegen. In der HTML-Schulung, zeige ich, worum es bei HTML ursprünglich und seit HTML5 wieder geht: die Beschreibung von …

Dozenten für barrierefreie Webseiten

Mehrere Frauen und Männer mit Laptops im Unterricht
Studenten im Seminar
© adobe stock

Derzeit bieten zwei Dozenten Ihre Dienste über diese Website an: Marc Haunschild und Domingos de Oliveira.

Beide arbeiten seit vielen Jahren im Bereich Barrierefreieheit und besitzen auf Ihrem Gebiet sowohl theoretische als auch praktische Kenntisse, die sie alltäglich in ihren Berufen einsetzen.

Beide haben sich seit Jahren als Dozenten, Trainer und Fachbuchautoren für Barrierefreiheit einen Namen gemacht.

Domingos de Oliveira

Der Schwerpunkt von Domingos de Oliveira liegt in der redaktionellen Erstellung barrierefreier Inhalte. Er berücksichtigt die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen beim Verfassen von Texten in angemessener Sprache und beim korrekten technischen Auszeichnen von Texten mit den Mitteln einer Textverarbeitung sowie bei der Erstellung barrierefreier Dokumente als PDF.

Hier geht es zum Porträt von Domingos de Oliveira

Marc Haunschild

Marc Haunschild ist zwar als Sprachwissenschaftler und Autor ins Berufsleben gestartet, arbeitet heute aber als Entwickler und QS-Verantwortlicher für Barrierefreiheit. Als klassischer Frontend-Entwickler vermittelt er das Wissen, wie HTML und CSS aussehen müssen, damit eine Webseite die Ansprüche an inklusives Design für alle erfüllt.

Hier geht es zum Porträt von Marc Haunschild